Verfahren
Nasslackierung
Stand: · Redaktion beschichtungsportal.de
Nasslackierung ist das ältere und flexiblere der beiden großen Verfahren. Der Lack liegt flüssig vor, wird aufgetragen und härtet durch Verdunsten des Lösemittels, durch chemische Vernetzung oder durch beides. Weil kein Einbrennofen zwingend ist, lassen sich Werkstoffe und Bauteilgrößen abdecken, die für die Pulverbeschichtung ausscheiden.
Auftragsverfahren
Druckluftspritzen und HVLP. Der klassische Weg für Einzelteile und kleine Serien. Gute Oberfläche, moderater Auftragswirkungsgrad.
Airless und Airmix. Der Lack wird über hohen Materialdruck zerstäubt statt über Druckluft. Hoher Auftrag pro Zeit, deshalb üblich bei großen Flächen wie Stahlbau und Behältern.
Elektrostatisches Spritzen. Der Lack wird aufgeladen und vom geerdeten Bauteil angezogen. Der Auftragswirkungsgrad steigt deutlich, weil weniger Material am Bauteil vorbeigeht. Details dazu unter Elektrostatische Sprühsysteme.
Tauchlackierung. Das Bauteil wird eingetaucht. Für hohe Stückzahlen und komplexe Geometrien schnell und materialsparend, dafür ohne partielle Aussparung.
Anlagentechnik
Die Kabine ist mehr als ein Raum: Sie führt die Luft so, dass Overspray abgeführt wird, ohne die frische Schicht zu stören, und sie hält Staub aus dem Prozess. Filtertechnik, Luftführung und Wartung schlagen unmittelbar auf die Oberflächengüte durch. Der Aufbau von Lackierkabinen und die Funktionsweise kompletter Lackieranlagen sind deshalb eigene Themen.
Lackauswahl
Welches System infrage kommt, hängt an Untergrund, Belastung und geforderter Optik. Ein Überblick über die Auswahlkriterien steht unter Wie wählt man den richtigen Industrie-Lack?. Für Kunststoffbauteile gelten eigene Regeln, vor allem bei der Vorbehandlung: Herausforderungen bei der Lackierung von Kunststoff.
Ein besonders anspruchsvoller Anwendungsfall ist die Automobilzulieferung, wo Schichtaufbau, Farbtongenauigkeit und Dokumentation vorgegeben sind: Industrielle Beschichtung in der Automobilbranche.
Nasslack oder Pulver
Die Entscheidung fällt selten über den Preis pro Quadratmeter, sondern über Randbedingungen: Temperaturverträglichkeit des Bauteils, Bauteilgröße, geforderte Oberflächengüte, Farbtonverfügbarkeit und Stückzahl. Die Gegenüberstellung im Detail steht unter Pulverbeschichtung oder Nasslackierung.
Alle Beiträge zu Nasslackierung
Elektrostatische Sprühsysteme: Funktionsweise & Vorteile
Aufladung, Umgriff-Effekt und Erdung bestimmen, wie effizient elektrostatische Sprühsysteme Material auf das Werkstück bringen.
Herausforderungen bei der Lackierung von Kunststoff
Kunststoff verhält sich beim Lackieren anders als Metall: Vorbehandlung, Lacksysteme und Automatisierung entscheiden über Haftung und Qualität.
Industrielle Beschichtung in der Automobilbranche
KTL-Tauchlackierung, Pulverbeschichtung und Nasslackierung sind die Standardverfahren im Automobilbau. Sie entscheiden über Korrosionsschutz und Lebensdauer der Bauteile.
Lackieranlagen: Aufbau und Funktionsweise
Wie Vorbehandlung, Lackierkabine und Absaugtechnik zusammenwirken, und worauf bei Automatisierung, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit zu achten ist.
Lackierkabinen: Aufbau, Filtertechnik & Wartung
Kabinenstruktur, Filtertypen und Wartungsplan von Lackierkabinen und wie sie Lackierqualität, Energieverbrauch und Arbeitssicherheit beeinflussen.
Pulverbeschichtung vs. Nasslackierung
Pulverbeschichtung und Nasslackierung unterscheiden sich in Verfahren, Werkstoffeignung und Kosten. Der direkte Vergleich für die Verfahrenswahl.
Wie wählt man den richtigen Industrie-Lack?
Werkstoff, Umweltbedingungen und Auftragsverfahren bestimmen den passenden Industrie-Lack. Ein Überblick über Auswahlkriterien und Vorbereitung.
Häufige Fragen
- Wann ist Nasslackierung besser als Pulverbeschichtung?
- Immer dann, wenn das Bauteil die Einbrenntemperatur nicht verträgt, für Pulveranlagen zu groß ist, sehr hohe Oberflächengüte gefordert ist oder ein Farbton nur als Nasslack verfügbar ist. Für Serienteile aus Stahl im Normalfall ist Pulver wirtschaftlicher.
- Kann Nasslack auf Kunststoff aufgebracht werden?
- Ja, das ist einer der klassischen Anwendungsfälle. Entscheidend ist die Vorbehandlung, weil viele Kunststoffe eine sehr niedrige Oberflächenenergie haben und Lack ohne Vorbehandlung nicht benetzt.