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Stand: · Redaktion beschichtungsportal.de

Die Frage „wer kann mir das beschichten“ ist schwerer zu beantworten als sie klingt. Beschichtungsbetriebe sind stark spezialisiert: Ein Betrieb, der Aluminiumprofile für Fassaden pulverbeschichtet, hat weder die Anlagen noch die Zulassungen für PTFE-beschichtete Spritzgussformen. Wer die falsche Adresse anschreibt, bekommt keine Absage, sondern gar keine Antwort.

Zuerst das Verfahren klären, dann den Betrieb suchen

Die Betriebslandschaft ist entlang der Verfahren aufgeteilt, grob nach Anlagentechnik getrennt:

  • Pulverbeschichtung. Der größte und am breitesten verfügbare Bereich. Bauteilgröße wird durch Kabinen- und Ofenmaß begrenzt, das ist die erste Frage an jeden Betrieb.
  • Nasslackierung. Für große, temperaturempfindliche oder besonders farbkritische Teile, oft in Kombination mit Pulveranlagen im selben Haus.
  • Gleit- und Antihaftbeschichtung. Deutlich kleinerer Kreis von Spezialbetrieben, meist mit eigener Strahlanlage und Hochtemperaturöfen.
  • Galvanik und chemische Verfahren. Verzinken, Vernickeln, Eloxieren. Eigene Betriebsform mit eigener Abwasser- und Genehmigungssituation.
  • Thermisches Spritzen und Hartstoffschichten. Für Verschleißschutz an hoch belasteten Bauteilen, technisch und preislich eine eigene Klasse.

Welches Verfahren zu welcher Anforderung passt, ist auf der Startseite nach Themen sortiert. Für Gleit- und Antihaftanforderungen führt der Weg über Gleitbeschichtung und Antihaftbeschichtung.

Woran sich ein passender Betrieb erkennen lässt

Bauteilgröße und Anlagenmaß. Die harte Grenze. Ein Betrieb nennt normalerweise das maximale Werkstückmaß und das maximale Gewicht der Gehängetechnik. Passt das Bauteil nicht, endet die Suche hier.

Losgröße. Beschichter mit Durchlaufanlagen rechnen sich erst ab Serie. Für Einzelteile und Musterteile braucht es einen Betrieb mit Handarbeitsplatz, sonst wird der Rüstanteil unbezahlbar.

Vorbehandlung im eigenen Haus. Entfetten, Strahlen und gegebenenfalls chemische Vorbehandlung entscheiden über die Haftung. Betriebe, die diesen Schritt auslagern, haben eine Schnittstelle mehr in der Verantwortungskette. Warum das so schwer wiegt, steht unter Vorbehandlung.

Zertifizierungen. ISO 9001 ist die Basis. Für Automobilzulieferung ist IATF 16949 üblich, in der Luftfahrt Nadcap für die jeweilige Prozessgruppe. Für die Pulverbeschichtung von Architekturaluminium sind die Gütezeichen QUALICOAT und GSB International einschlägig.

Prüfmöglichkeiten. Schichtdickenmessung ist Standard. Wer Haftung nach Gitterschnitt, Korrosionsprüfung im Salzsprühnebel oder Härte nachweisen soll, muss die Prüfung im Haus oder über ein akkreditiertes Labor abdecken können.

Dokumentation. Chargenrückverfolgung und Prozessdatenaufzeichnung sind in regulierten Branchen keine Option, sondern Voraussetzung.

Regionale Schwerpunkte in Deutschland

Oberflächentechnik ist Zulieferindustrie und siedelt sich dort an, wo die Abnehmer sitzen. Schwerpunkte liegen im Ruhrgebiet und am Niederrhein rund um Stahl- und Maschinenbau, in Baden-Württemberg und Ostbayern entlang der Automobil- und Maschinenbauzulieferung, im sächsischen Erzgebirge, in Norddeutschland rund um Lüneburg und Hamburg sowie in Mecklenburg-Vorpommern im Umfeld der dortigen Technologie- und Gewerbezentren.

Für Serienteile lohnt die Entfernung fast nie den Preisvorteil: Transportkosten und Durchlaufzeit fressen ihn auf, und bei einer Reklamation ist Nähe unbezahlbar. Für Spezialverfahren dagegen ist der Radius zwangsläufig größer, weil es in Deutschland teilweise nur eine Handvoll geeigneter Betriebe gibt.

Was in eine Anfrage gehört

Je vollständiger die Anfrage, desto belastbarer das Angebot. Diese Angaben sollten immer dabei sein:

  1. Werkstoff und Zustand des Bauteils (Stahl, Edelstahl, Aluminiumlegierung, Guss; vergüteter oder ausgehärteter Zustand)
  2. Bauteilabmessungen und Gewicht, bei komplexen Teilen eine Zeichnung oder ein Foto
  3. Stückzahl und Wiederholhäufigkeit (Einzelteil, Erstmuster, Serie mit Abrufen)
  4. Gewünschte Funktion: Korrosionsschutz, Verschleißschutz, Gleiteigenschaft, Antihaftwirkung, Optik, elektrische Eigenschaft
  5. Zu beschichtende Flächen und Aussparungen, also welche Bereiche maßhaltig oder blank bleiben müssen
  6. Einsatzbedingungen: Temperatur, Medien, Außenbewitterung, Lebensmittelkontakt
  7. Anzuwendende Norm oder Kundenspezifikation, falls vorhanden
  8. Wunschtermin

Wer Punkt 4 und Punkt 6 offen lässt, bekommt in der Regel eine Rückfrage statt eines Preises. Ein Farbton nach RAL ist keine Funktionsangabe.

Schema eines Bauteils mit abgedeckten Aussparungen an Passbohrung, Gewinde, Dichtfläche und Kontaktfläche
Zu Punkt 5: Welche Flächen blank oder maßhaltig bleiben, am besten direkt in der Zeichnung markieren.

Beschichterverzeichnis

Betriebe, die sich selbst eingetragen haben, sortiert nach Verfahren.

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Häufige Fragen

Wie finde ich einen Betrieb für ein sehr spezielles Verfahren?
Über den Radius, nicht über die Nähe. Für Verfahren wie PTFE-Beschichtung oder Brandschutz gibt es in Deutschland teilweise nur eine Handvoll geeigneter Betriebe. Bei Serienteilen aus Standardverfahren lohnt die Entfernung dagegen fast nie, weil Transportkosten und Durchlaufzeit den Preisvorteil aufzehren.
Welche Zertifizierung brauche ich wirklich?
ISO 9001 ist die Basis. IATF 16949 ist in der Automobilzulieferung üblich, Nadcap in der Luftfahrt für die jeweilige Prozessgruppe, QUALICOAT und GSB International bei der Pulverbeschichtung von Architekturaluminium. Alles darüber hinaus sollte aus Ihrer eigenen Kundenspezifikation kommen, nicht aus dem Prospekt des Beschichters.
Beschichten Betriebe auch Einzelteile?
Manche ja, viele nicht. Betriebe mit Durchlaufanlagen rechnen sich erst ab Serie. Für Einzel- und Musterteile brauchen Sie einen Betrieb mit Handarbeitsplatz, sonst wird der Rüstanteil unbezahlbar. Fragen Sie das gleich in der ersten Zeile Ihrer Anfrage ab.