Verfahren
Pulverbeschichtung
Pulverbeschichtung ist das am breitesten verfügbare Verfahren der industriellen Oberflächentechnik. Ein trockener, pulverförmiger Lack wird elektrostatisch aufgeladen und auf das geerdete Bauteil gesprüht, wo er durch die Ladung haften bleibt. Im Einbrennofen schmilzt das Pulver auf, fließt zu einem geschlossenen Film zusammen und vernetzt. Zurück bleibt eine Schicht, die deutlich dicker und schlagzäher ist als eine vergleichbare Nasslackierung.
Warum das Verfahren so verbreitet ist
Drei Gründe machen Pulverbeschichtung zum Standard, sobald Stückzahlen ins Spiel kommen:
- Kein Lösemittel. Der Lack liegt als Feststoff vor. Es entstehen keine Lösemittelemissionen, die abgeschieden werden müssten, und die Arbeitsschutzanforderungen sind niedriger als bei der Nasslackierung.
- Materialausnutzung. Overspray fällt als trockenes Pulver an, wird abgesaugt, gesiebt und dem Kreislauf wieder zugeführt. Bei sauberer Prozessführung geht sehr wenig Material verloren.
- Ein Durchgang. Es wird eine Schicht aufgetragen und einmal eingebrannt. Bei der Nasslackierung sind oft Grundierung, Zwischenschliff und Decklack nötig.
Wo das Verfahren an Grenzen stößt
Die Grenzen liegen fast nie im Lack, sondern in der Anlage und im Bauteil.
Bauteilmaß. Kabinen- und Ofenmaß sind hart. Ein Betrieb mit einer Durchlaufanlage für Fassadenprofile kann kein sperriges Schweißgestell aufnehmen, und umgekehrt. Fragen Sie beides immer ab, bevor Sie ein Angebot einholen.
Temperatur. Das Bauteil muss den Einbrennprozess unbeschadet überstehen. Damit scheiden die meisten Kunststoffe aus, ebenso vergütete Teile mit niedriger Anlasstemperatur. Für solche Fälle führt der Weg über die Nasslackierung.
Partieller Auftrag. Flächen, die blank oder maßhaltig bleiben müssen, werden abgeklebt oder mit Stopfen verschlossen. Das ist Handarbeit und kostet, weshalb es in die Anfrage gehört.
Ausgasende Werkstoffe. Guss und verzinkte Oberflächen können beim Einbrennen ausgasen und Poren in der Schicht erzeugen. Beide brauchen eine angepasste Vorbehandlung und oft einen Vorwärmzyklus.
Farben, Glanzgrade und Oberflächen
Die Farbauswahl folgt in aller Regel dem RAL-System, dazu kommen NCS und herstellereigene Farbtonkarten. Neben dem reinen Farbton werden Glanzgrad und Struktur getrennt festgelegt: matt, seidenmatt, seidenglänzend oder glänzend, glatt oder in Feinstruktur. Feinstruktur ist in der Praxis dankbar, weil sie Unebenheiten des Untergrunds und Handhabungsspuren kaschiert.
Welche Farbtöne und Effekte im Einzelnen verfügbar sind und wie sich Sonderfarben und Kleinmengen einordnen, steht ausführlich unter Welche Farben sind für Pulverbeschichtung verfügbar?.
Pulverarten
Pulverlacke unterscheiden sich nach Bindemittel, und daraus folgt der Einsatzbereich:
- Polyester. Der Standard für Außenanwendungen, gute UV- und Witterungsbeständigkeit.
- Epoxid. Sehr guter Korrosionsschutz und gute Chemikalienbeständigkeit, aber nicht UV-stabil. Innenbereich und Grundierungen.
- Epoxid-Polyester (Hybrid). Der Kompromiss für den Innenbereich, gut verarbeitbar und preiswert.
- Polyurethan. Feinere Oberfläche und gute Beständigkeit, entsprechend höherer Preis.
Der grundsätzliche Unterschied zwischen aufschmelzenden und irreversibel vernetzenden Pulvern ist unter Thermoplast und Duroplast beschrieben, die Systematik der Pulverlacke insgesamt unter Industrielle Pulverlacke.
Schichtdicke und Qualität
Die Schichtdicke ist der am häufigsten geprüfte Kennwert und zugleich der, über den am meisten gestritten wird. Zu dünn heißt unzureichender Korrosionsschutz, zu dick heißt Sprödigkeit und Kantenabplatzer. Übliche Prüfungen sind die Schichtdickenmessung, der Gitterschnitt für die Haftung und die Salzsprühnebelprüfung für den Korrosionsschutz. Was davon gefordert ist, gehört in die Anfrage, nicht in die Reklamation.
Wie Pulverbeschichtung im Korrosionsschutz einzuordnen ist, behandelt Korrosionsschutz durch Pulverbeschichtung. Der direkte Vergleich zum Nasslack steht unter Pulverbeschichtung oder Nasslackierung.
Alle Beiträge zu Pulverbeschichtung
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Welche Farben sind für Pulverbeschichtung verfügbar?
Pulverbeschichtung ist eine beliebte Methode, um Oberflächen zu veredeln. Eine der spannendsten Aspekte dieser Technik sind die verschiedenen Farben, die zur Verfügung.
Häufige Fragen
- Wie groß darf ein Bauteil für die Pulverbeschichtung sein?
- Das entscheidet die Anlage des Betriebs, nicht das Verfahren. Maßgeblich sind das Innenmaß der Pulverkabine, das Innenmaß des Einbrennofens und die Traglast der Gehängetechnik. Diese drei Werte sollten Sie bei jeder Anfrage abfragen.
- Kann man pulverbeschichtete Teile nachträglich bearbeiten?
- Nur eingeschränkt. Bohren, Fräsen und Gewindeschneiden zerstören die Schicht lokal und legen den Grundwerkstoff frei, der dann korrodiert. Alle spanenden Arbeiten gehören vor die Beschichtung, maßhaltige Flächen werden abgeklebt.
- Ist Pulverbeschichtung für den Außenbereich geeignet?
- Ja, wenn das passende Pulversystem gewählt wird. Für dauerhafte Außenbewitterung sind Polyester-Systeme üblich, reine Epoxidsysteme kreiden unter UV-Einfluss aus und gehören in den Innenbereich.