Wie wählt man den richtigen Industrie-Lack?
Stand: · Redaktion beschichtungsportal.de
Welcher Industrielack für ein Bauteil geeignet ist, hängt vom Werkstoff, der Beanspruchung und den Umweltbedingungen ab. Eine falsche Wahl fällt selten sofort auf, sondern erst bei der ersten Korrosion oder dem ersten Kratzer.
Materialien für die Lackauswahl
Nicht jeder Lack haftet auf jedem Untergrund gleich gut, deshalb beginnt die Auswahl beim Werkstoff.
Metall. Metallische Oberflächen brauchen einen Lack, der zuverlässig haftet und vor Korrosion schützt, meist in Kombination mit einer Grundierung. Härte und Flexibilität des Lacks sollten zur mechanischen Beanspruchung des Bauteils passen.
Holz. Bei Holz geht es oft darum, die Maserung sichtbar zu lassen oder das Material vor Witterung zu schützen; Klarlacke sind dafür verbreitet.
Kunststoff. Viele Standardlacke greifen Kunststoff an oder haften nicht ausreichend. Kunststoffspezifische Lacke bleiben elastisch und platzen nicht ab, wenn sich das Bauteil verformt. Mehr dazu unter Herausforderungen bei der Lackierung von Kunststoff.
Sonderanforderungen. Lebensmittelkontakt, Brandschutz oder Chemikalienbeständigkeit erfordern jeweils zertifizierte oder speziell geprüfte Lacksysteme; das gehört vor der Beschaffung geklärt, nicht danach.
Bei der Auswahl zählen vor allem drei Kriterien: Haftung auf dem Material, Beständigkeit gegen die vorgesehene Beanspruchung und die geforderte Optik.
Umweltfaktoren Berücksichtigen
Neben der Optik muss ein Industrielack den Umweltbedingungen am Einsatzort standhalten und selbst möglichst wenig Umweltbelastung verursachen.
Witterungsbeständigkeit. Der Lack muss Regen, Hitze und Kälte über die geplante Nutzungsdauer standhalten; ein Lack, der abblättert oder verblasst, legt das darunterliegende Material ungeschützt frei.
UV-Schutz. UV-Strahlung lässt Farbe verblassen und Lack spröde werden. Additive oder Pigmente mit UV-Schutzfunktion verringern diesen Effekt.
Umweltfreundliche Lacke. Wasserbasierte Lacke und Systeme mit reduziertem Lösemittelgehalt senken die Belastung für Umwelt und Personal. Relevant für die Auswahl sind unter anderem der VOC-Gehalt, der Anteil nachwachsender Rohstoffe und die Recyclingfähigkeit der Verpackung.
Lackierverfahren im Überblick
Welches Auftragsverfahren sinnvoll ist, richtet sich nach Bauteilgröße, geforderter Oberflächenqualität und Stückzahl.
Spritzlackieren. Der Lack wird mit einer Spritzpistole aufgetragen, manuell oder automatisiert. Das Verfahren liefert gleichmäßige Oberflächen auch bei komplexen Formen, erfordert aber Erfahrung, um Läufer zu vermeiden, sowie eine sorgfältige Abdeckung der nicht zu lackierenden Bereiche.
Tauchlackieren. Das Werkstück wird in ein Lackbad getaucht, was sich für hohe Stückzahlen kleiner Teile eignet. Beim Elektrotauchlackieren wird das Werkstück zusätzlich elektrisch geladen, um die Haftung zu verbessern. Nicht jedes Material und jede Geometrie ist dafür geeignet, und Luftblasen können die Oberfläche stören.
Pulverbeschichtung. Ein elektrostatisch aufgeladenes Pulver wird auf das Werkstück aufgebracht und eingebrannt. Das Ergebnis ist eine robuste, gut deckende Oberfläche ohne Lösemittelemissionen, allerdings nur auf leitfähigen und einbrennfähigen Werkstoffen. Details unter Pulverbeschichtung.
Vorbereitung der Oberfläche
Ohne saubere und angeraute Oberfläche haftet auch der beste Lack nicht zuverlässig.
Schleifen. Es entfernt Unebenheiten, Rost und alte Lackschichten und raut die Oberfläche für eine bessere Haftung an. Werkstoff und Zustand der Oberfläche bestimmen Schleifmittel und Körnung.
Grundierung. Sie gleicht die Oberfläche aus und verbessert die Haftung, teils mit zusätzlicher Funktion wie Rostschutz oder UV-Schutz. Die Grundierung sollte nach Herstellerangabe aufgetragen und vollständig durchgetrocknet sein, bevor der Lack folgt.
Reinigung. Staub, Fett und Öl beeinträchtigen die Haftung und führen zu Lackfehlern. Je nach Verschmutzung kommen Entfetter, Lösemittel oder einfache mechanische Reinigung zum Einsatz; die Oberfläche muss vor der Lackierung vollständig trocken sein.
Anwendungstechniken für Industrie-Lacke
Eine gleichmäßige Applikation entscheidet über das Ergebnis mindestens so stark wie die Lackauswahl selbst.
Sprühtechnik. Ein gleichmäßiger Abstand zum Bauteil, überlappende Bahnen und eine konstante Bewegungsgeschwindigkeit vermeiden dünne Stellen und Läufer.
Typische Lackfehler. Orangenhaut, Läufer und Blasen lassen sich meist auf falsche Viskosität, unpassende Spritzparameter oder eine verunreinigte Oberfläche zurückführen. Die richtige Viskosität, angepasste Temperatur und eine saubere Oberfläche beugen den häufigsten Fehlern vor.
Umgebungsbedingungen. Ein sauberer, gut belüfteter Raum mit gleichmäßiger Temperatur und kontrollierter Luftfeuchtigkeit wirkt sich direkt auf das Lackierergebnis aus; ausreichende Trocknungszeit vor weiterer Handhabung gehört ebenso dazu.
Sicherheitsvorkehrungen bei der Lackierung
Lösemittelhaltige Lacke und Sprühnebel machen persönliche Schutzausrüstung und Belüftung zur Grundvoraussetzung.
Schutzausrüstung. Atemschutzmaske, Schutzbrille und Handschuhe schützen vor Dämpfen, Spritzern und Hautkontakt mit dem Lack.
Belüftung. Ausreichender Luftaustausch senkt die Dampfkonzentration und das Entzündungsrisiko; wo möglich, sollte im Freien oder in einer belüfteten Kabine lackiert werden.
Lagerung. Lacke und Lösemittel gehören in einen abschließbaren, gut belüfteten Schrank, fern von Zündquellen und für Unbefugte unzugänglich.
Fehlerbehebung bei Lackierproblemen
Die meisten Lackierfehler lassen sich auf eine begrenzte Zahl von Ursachen zurückführen.
Orangenhaut. Entsteht meist durch zu hohe Spritzviskosität, falschen Abstand, zu kalte Umgebung oder eine zu dicke Schicht. Leichte Fälle lassen sich nach dem Trocknen anschleifen und polieren, ausgeprägte Fälle erfordern Abschleifen und Neulackierung.
Weitere Fehler. Lacknasen entstehen durch zu viel Material auf einmal, Staubeinschlüsse durch unsaubere Arbeitsumgebung. Bei kleineren Fehlern ist es oft wirtschaftlicher, sie zu akzeptieren, als sie durch mehrfaches Nachbessern zu verschlimmern.
Nachbehandlung. Vollständiges Aushärten, gegebenenfalls Polieren und Versiegeln je nach Lacktyp sichern das Ergebnis langfristig ab.
Fazit
Die Wahl des richtigen Industrielacks hängt vom Werkstoff, der Beanspruchung und den Umgebungsbedingungen ab. Eine sorgfältige Oberflächenvorbereitung und die Herstellerangaben zum Lacksystem entscheiden am Ende darüber, ob die Beschichtung hält oder frühzeitig versagt.
Häufig gestellte Fragen
Welche Materialien lassen sich industriell lackieren?
Metall, Holz und Kunststoff lassen sich lackieren, jedes mit eigenen Anforderungen an Lack und Vorbehandlung.
Wie muss die Oberfläche vor der Lackierung vorbereitet werden?
Geschliffen und gründlich gereinigt, damit der Lack zuverlässig haftet.
Was ist der Unterschied zwischen Spritzlackieren und Tauchlackieren?
Beim Spritzlackieren wird der Lack aufgesprüht, beim Tauchlackieren wird das Bauteil in ein Lackbad getaucht.
Warum ist eine Grundierung wichtig?
Sie verbessert die Haftung des Lacks und schützt das Material, etwa vor Korrosion.
Wie lassen sich Lackfehler wie Orangenhaut beheben?
Leichte Fälle lassen sich anschleifen und polieren, stärkere Fälle erfordern Abschleifen und Neulackierung.
Welche Schutzausrüstung ist beim Lackieren notwendig?
Atemschutzmaske, Schutzbrille und Handschuhe, dazu eine gut belüftete Arbeitsumgebung.